Outback Part One

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, elf unerfahrene wollten die Wüste Australiens bereisen. Von Sydney sollte es über Broken Hill, Flinders Rangers, Lake Eyre, Oodnadatta (Track), Simpson Desert, Uluru, Alice Springs nach Darwin gehen. Einen Tag vor Abreise dann die Hiobsbotschaft, der Abreisetag musste verschoben werden. Emanuele, der mit Simone, Laura und mir in einem Auto sitzen sollte, hatte seinen Abschied mit Freunden in Sydney gefeiert und dabei etwas zu tief ins Glas geschaut. Da Emanuele ein netter Kerl ist, hat er der Kellnerin im Casino einen Kuss auf die Wange gegeben. Hört sich nicht weiter schlimm an, schließlich hat er niemandem etwas böses getan. Das sah die Security des Casinos vollkommen anders, die Nacht durfte er im Gefängnis verbringen. Um die Angelegenheit zu klären verschoben wir also den Start, leider erfolglos wie sich herausstellte. Es wird ein Gerichtsverfahren geben, denn in Australien gilt sein Verhalten als Nötigung und sexuelle Belästigung. Die Angelegenheit ist so schon kurios genug, wer Emanuele einmal kennen gelernt hat der weiß, das er keiner Fliege etwas zuleide tun könnte.

Mit einem Tag Verlust konnten wir gut Leben, mit dem Verlust unseres Mitreisenden weniger. Aus elf Reisenden wurden somit zehn Reisende. Laura, Simone und ich verabreden uns für den nächsten Morgen, früh um 6 Uhr sollte der Startschuss fallen. Morgens gegen 1 Uhr dann die Nachricht von Simone…“Tomorrow morning we can not leave the car broke“ (Er ist Italiener, sein Englisch ist auch broke). Ich konnte nicht glauben was ich da las! Aber tatsächlich, die untere Lenkstange war gebrochen, das Auto stand in Kings Cross (Stadtteil von Sydney) mitten auf dem Bürgersteig! Nun hieß es bangen das die Polizei den Wagen nicht abschleppen lässt und am frühen Morgen würden wir einen Abschleppdienst rufen, der das Auto zum Mechaniker bringt. Das unglaubliche, wir hatten den Wagen zuvor bereits von einem Mechaniker checken lassen, damit uns genau so etwas nicht passiert. Die befürchtet hohen Reparatur und Abschleppkosten hielten sich zu unserem Glück in Grenzen, wir nahmen uns vor am nächsten Tag zu starten, hielten uns mit unserer Euphorie nun jedoch deutlich zurück.

Ohne weitere Vorkommnisse machten wir uns auf zu unserer ersten ungeplanten Station, die Blue Mountains, richtig die kennt Ihr schon aus meinem letzten Bericht. Dieses Mal warteten wir auf unsere zwei weiteren Teams. Spät am Abend haben sich alle eingefunden, bei Lagerfeuer, Wein und Gitarrenklängen wurde der Start gebührend gefeiert.

Die Stimmung war gut, es ging gemächlich weiter was wohl daran lag, dass wir drei Italiener mit an Bord hatten, bei denen eine Rast schon einmal eine Stunde dauert und damit meine ich auch Tanken oder eine Pinkelpause.

Geschlafen wurde an Orten die wir für geeignet hielten oder die WikiCamps uns als kostenlosen Campingplatz vorgab, wenn wir denn eine Verbindung zur Außenwelt hatten. „In the middle of nowhere“ ist das allerdings eher selten der Fall. Es waren einige schöne Spots darunter wie z. B. stillgelegte Bahngleise die früher einmal zu einer Silbermine führten.

Broken Hill gleicht einem Ort des Wilden Westens. Wie allerdings viele Orte auf dem Weg zur Mitte Australiens wirkte auch dieser Ort, trotz seiner 18.500 Einwohner, wie ausgestorben. Etwa 25 Kilometer nordwestlich von Broken Hill liegt die kleine Stadt Silverton, für Oldtimer Liebhaber eine Augenweide. Zur Hochglanzzeit lebten hier etwa 3000 Menschen, heute ist die Einwohnerzahl auf etwa 89 Personen gesunken.

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Habt Ihr Euch auch schon immer gefragt, ob man im Outback die Sterne besser sehen kann?

South Australia…Ab Yunta sollte es Offroad Richtung Flinders Rangers weitergehen, alle waren voller Vorfreude endlich durften unsere 4 WD den Boden der Gravel Road spüren, das Outback Abenteuer konnte beginnen.

Wir (Simone, Laura und ich) fuhren als zweiter Wagen in unserer dreier Kolonne, hinter uns folgten Alex, Ari und Laila. Vom vordersten Wagen, in dem sich Emmanuelle, Dario, Francois und Elia befanden, war nur noch eine Staubwolke zu sehen…

Wir sahen aus der Ferne wie Menschen von einem Auto hüpften, zumindest deuteten wir es so. Wir konnten nicht erkennen ob es sich um unsere Freunde handelte, dachten allerdings an nichts schlimmes es wurden schließlich oft Fotos geschossen, bei dem der ein oder andere auf dem Dach des Autos sitzt oder steht.

Als wir erkannten was wirklich passiert war, lief uns ein eiskalter Schauer den Rücken herunter. Der Fahrer hatte die Kontrolle über das Auto verloren, welches nun völlig zerstört auf dem Dach am Strassenrand lag. Ihr könnt Euch sicher vorstellen wie geschockt wir waren, als wir erkannten was passiert war. Reflexartig sprangen wir aus unserem Auto um unseren Freunden zu helfen. Ich habe nur noch gezählt wie viele Menschen zu sehen waren…eins, zwei, drei und…und vier! Alle vier! Die Gefühle waren ein einziges Wirrwarr, zum einen waren wir schockiert und zum anderen froh, alle lebend zu sehen.

Es war ein absolutes Wunder das niemandem etwas schlimmeres passiert ist. Emmanuelle musste mit einem Schleudertrauma ins Krankenhaus eingeliefert werden, zusätzlich hatten alle Insassen einen tiefen Schock.

Was ich so stark bisher nur in Australien spüren durfte, ist eine grenzenlose Gastfreundschaft. Die Ambulanz die Emmanuelle in Begleitung von Alex zum Hospital fuhr, brachte Alex am Abend zurück zu unserem Campingplatz. Paul (freiwilliger Sanitäter) und seine Frau luden uns auf Ihre Farm ein, wo wir so lange bleiben durften, bis wir wussten wie es weitergehen sollte und Emmanuelle aus dem Krankenhaus zurück war. Überwältigt von so viel Gastfreundschaft, nahmen wir das Angebot dankend an.

Paul zeigte uns einen Teil seiner 128 acres großen Farm. Unglaubliche weiten und interessante Stellen, von Malereien die von Aborigines stammen bis hin zu einer alten Hirtenhütte.

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Franciose hatte bereits beschlossen die gemeinsame Tour an dieser Stelle zu beenden. Nach einem solchen Ereignis ist es nur zu gut zu verstehen, das man nicht einfach so wieder zur „Tagesordnung“ zurück kehren kann. Auch Emmanuelle und Dario brauchten mehr Zeit und wollten Ihre Reise zu einem späteren, unbestimmten Zeitpunkt fortsetzen.

Der Abschied viel uns schwer. Zu siebt setzten wir nun unsere Reise fort, begleitet von der Frage (zumindest stellte ich mir diese), ob die Reise eine so gute Idee war und die Vorkommnisse nicht schon genug waren, um die Reise abzubrechen…

Hoffen wir, das es auf unserem Weg nicht noch weiteres Unglück gibt…

Fazit:

Küsst niemanden den Ihr nicht kennt einfach so auf die Wange oder sonst wo hin.

Investiert lieber etwas mehr Geld beim Kauf eines Autos in Australien, obwohl das natürlich am Ende auch keine Garantie ist.

Fahrt bitte vorsichtig!

 

 

2 Gedanken zu “Outback Part One

  1. Manoman, du erlebst ja einen richtigen Abenteuer Trip. Gut zu lesen, dass keinem von euch was Ernstes passiert ist. Auch wenn ihr jetzt nur noch sieben seid, wuensche ich euch weiterhin ganz viel Spass. Es lohnt sich wirklich, das Land auf diesem Wege zu entdecken. Das sind Erlebnisse, dir dir keiner mehr nehmen kann. Fuehl dich ganz lieb gedrueckt in der Ferne Jana

    Gefällt 1 Person

    • Ich drück dich ganz lieb zurück liebe Jana.
      Australien ist ein Traum und es ist einfach toll das alles erleben zu können/dürfen.

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