Outback Part Two

Unsere Reise wurde Richtung Flinders Ranger fortgesetzt, weiter mit an Bord waren, Ari, Alex, Elia, Laila, Simone, Laura und ich. Wir nahmen uns etwas Zeit für einen Spaziergang im Flinders Rangers National Park, bevor wir uns auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel „Lake Eyre“ machten.

Wir übernachteten an einer alten Ruine ein toller Spot für eine Übernachtung, Lagerfeuer und das Gefühl von Freiheit. Der Spot sollte uns nicht besonders viel Glück bringen…

Am Morgen stellten wir fest, dass wir in einem Nagel gefahren waren und unser Reifen Luft verloren hatte. Zum Glück hatten wir in Sydney einen Kompressor gekauft, extra einen der teureren Sorte, sicher ist schließlich sicher. Mittels Kompressor versuchte Simone und Elia den Reifen mit Luft zu füllen, damit wir es mit diesem bis zur nächsten Werkstatt schaffen würden. Der Kompressor sollte über den Zigarettenanzünder funktionierten, dieser hatte allerdings nichts besseres zu tun, als durchzubrennen.

Wozu fahren wir Kolonne? Richtig, unter anderem um uns gegenseitig helfen zu können. Somit durfte nun der Zigarettenanzünder vom Wagen der Mädels her halten. Leider hat sich unser Kompressor auch mit diesem nicht verstanden.

Kurz um, der Reifen wurde gewechselt. Der Ersatzreifen war etwas kleiner als die übrigen, was in Australien als illegal gilt, somit wurde die nächste Werkstatt angefahren und unser Reifen repariert. Ich glaube wir sind ca. 100 km weit gekommen, bis sich der nächste Reifen als platt erwies, dieses Mal war ein spitzer Stein Schuld an der Misere.

Lake Eyre hat mit 17 Meter unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt und ist der größte See Australiens, wenn er denn mit Wasser gefüllt ist, was eher selten der Fall ist. Der ausgetrocknete Salzsee erschien uns wie eine andere Welt, beeindruckend, wie auf Wolken nur das die Salzkristalle spitz sind. Einen Sonnenuntergang in der Mitte eines Salzsees sitzend zu betrachten ist einfach Atemberaubend.

Unser Weg Richtung Simpson Desert führte an Oodnadatta vorbei, hier gibt es nur etwa 270 Einwohner und das bekannte Pink Roadhouse.

Endlich, es war soweit, die lang ersehnte Simpsonwüste war erreicht. Simpson Desert die viertgrößte Wüste Australiens, sie erstreckt sich über eine Fläche von 176.500 km2. Es herrschen Durchschnittstemperaturen von 50-58 Grad. Mit bis zu 200 Kilometer Länge gibt es hier die längsten Sanddünen der Welt. Die bekannteste Düne im Simpson Desert trägt den Namen „Big Red“ mit eine Höhe von 40m.

Da wir zwar Abenteuerlustig aber nicht Lebensmüde waren, haben wir uns entschlossen die Wüste nicht zu durchqueren. Sind wir ehrlich, wir waren blutige Anfänger, unser Benzin und Wasser oder auch Lebensmittel hätten für eine Durchfahrt nie gereicht. Ganz zu schweigen davon, dass unsere Autos viel zu alt waren und keiner von uns Mechaniker war. Wir wollten es uns jedoch nicht nehmen lassen zumindest hinein zu fahren, Dünen zu überwinden  und eine Nacht im Simpson Desert zu verbringen.

Was macht man, wenn das Auto mitten in der Wüste den Geist aufgibt, kein Stück mehr vor und auch kein Stück mehr Rückwärts fährt gepaart mit völliger Ahnungslosigkeit von Autos? Ihr wisst es nicht? Da geht es Euch gerade genauso wie es uns erging.

Wie sich herausstellte hatte unser Auto (ja schon wieder das von Simone, Laura und mir) Transmission Oil (Getriebeöl) verloren. Elias und Simone konnten das Problem des Ölverlustes lokalisieren und beheben (ganz so Ahnungslos waren dann doch nicht alle), jedoch hatten wir nicht genügend Transmission Oil um den Verlust wieder auffüllen zu können und außerdem, wo füllt man das überhaupt hinein? Wir haben lange gerätselt, die Einfüllmöglichkeit jedoch nicht gefunden.

Was nun?  In der Wüste herrscht sagen wir mal so, kein reger Verkehr. Wann würde das nächste Auto kommen und könnte man uns helfen? Wir haben alle möglichen Varianten durchgespielt. Ari, Laila und Alex konnten mit Ihrem Sprit noch bis zur nächsten Tankstelle fahren, zuvor gab es einen Campingplatz, vielleicht war dort jemand der uns helfen konnte. Doch wie würden wir davon erfahren? Die Mädels hätten nicht zurück gekonnt, dafür hätte Ihr Sprit nicht gereicht. Telefon? Keine Chance, kein Netz, kein Sattelitentelefon! Ebenso wenig hätten wir ihnen Bescheid geben können, sollten wir Hilfe erhalten haben. Eine Strafe für die nicht ganz korrekte Fahnenstange drohte ebenfalls sollte ein Ranger unseren Weg kreuzen. Eine Fahne soll vor entgegenkommenden Fahrzeugen in den hohen Dünen warnen, da eine offizielle Fahne allerdings teuer ist, hatten wir uns unsere eigene gebastelt.

Was würde ein Abschleppdienst wohl kosten, wenn dieser in die Wüste geschickt wird?

Ihr merkt schon, es gab rege Diskussionen über alle Varianten, zum Schluss warteten wir gemeinsam. Uns war bewusst, dass wir extrem viel Glück brauchen würden.

Zwei Stunden vergingen bis sich eine Staubwolke am Wüstenhorizont zeigte. Ein Auto! Hoffnung keimte auf, den beiden Insassen klagten wir sogleich unser Leid. Es zeigte sich, dass einer von Ihnen zumindest feststellen konnte, das wir nicht nur unser Transmission Oil verloren hatten, sondern das auch unser Kühler, den wir in Sydney hatten erneuern lassen, locker war (gewechselt wurde dieser von dem gleichen Mechaniker der unser Auto gescheckt hat, bevor die untere Lenkstange gebrochen ist). Mehr konnten die beiden nicht für uns tun. Wie es allerdings bei einer Wüstentour ist, kommt ein Auto selten allein. Auch diese zwei fuhren in einer Kolonne und es folgten, mindestens acht weitere Autos. Insgesamt standen plötzlich neunzehn „Engel“ vor uns und einer von Ihnen sollte Mechaniker sein.

Trevor machte sich mit seinem Freund ans Werk, befestigte den Kühler und füllte unser Transmission Oil auf. Auch die Truppe hatte nicht genug Öl dabei um den gesamten Verlust ausgleichen zu können, kurzerhand wurde mit normalem Motoröl nachgeholfen. Ganz klar keine endgültige Lösung, doch das Auto bewegte sich wieder. Es war einfach unfassbar, ich glaube keiner von uns hatte wirklich damit gerechnet, dass jemand unser Auto mitten in der Wüste reparieren kann. Unglaubliches Glück im Unglück nennt man so etwas wohl.

Nachdem unsere Engel weiter gezogen waren, gab es sogleich das nächste Problem mit unserem Auto. Das Rückfenster war nicht mehr zu schließen, keine Chance! Gut, im improvisieren war Simone der Meister überhaupt, er wurde von uns nicht umsonst auch Mc Giver genannt. Mülltüte und Klebeband, das Problem war gelöst ;-).

Die nächste Werkstatt befand sich ca. 150 Km entfernt. Wir fuhren langsam denn das Auto wurde ganz schön heiß. Da die Mädels an einem bestimmten Termin in Alice Springs sein mussten, hieß es an dieser Stelle erneut Abschied nehmen.

In Mt. Dare gibt es bis auf eine Werkstatt nicht besonders viel, doch genau hier trafen wir noch einmal auf unsere Helfer. Es stellte sich heraus das Trevor im wahren Leben kein Mechaniker, sondern Farmer ist. Sollte ich auf meiner Reise noch Zeit haben werde ich ihn in Victoria auf seiner Farm besuchen um dort zu arbeiten. Laut der Werkstatt reichte es aus weiteres Getriebe Öl nachzugießen, ein kompletter Ölwechsel wurde uns somit erspart. Kosten für das Öl 15 Dollar, einfüllen (also wirklich nur Öl eingießen) 48 Dollar. Tanken war an diesem Ort mit 2,40 Dollar AUD allerdings auch nicht sonderlich günstig.

IMG_2628

Guten Gewissens ging es weiter, leider immer noch auf einer Gravel Road, so langsam reichte mir das geholper :-). Nach etwa zwei Kilometern war „der Ofen“ auch schon wieder aus! „Sense im Gelände“ wie man bei uns so schön sagen würde, das Auto nahm kein Gas mehr an!

Dieses Mal mussten wir nicht lange warten, das uns nachfolgende Auto stoppte sofort. Ein Insasse war so freundlich auszusteigen, damit Laura mit zur Werkstatt fahren konnte. Simone versuchte noch einmal sein Glück, öffnete die Motorhaube und startete den Wagen. Nichts, das Auto bewegte sich keinen Millimeter und in diesem Moment sagte plötzlich eine Stimme „I know what it is“. Der mit uns wartende Herr (Asche über mein Haupt, ich habe den Namen vergessen) nahm ein Kabel in die Hand, steckte es in seine ursprüngliche Position und was soll ich sagen, das war es. Mir fiel ein Stein vom Herzen, ich konnte nicht anders als diesen Mann zu umarmen, mir liefen tatsächlich die Tränen vor Glück und Erleichterung. Wir fuhren Laura entgegen, die sich mit dem Mechaniker bereits auf dem Rückweg befand. Sie staunte nicht schlecht, als Sie uns sah 🙂

IMG_2630

Ob wir es noch heil bis nach Darwin schaffen. Ich für meinen Teil wäre schon heilfroh den Highway zu erreichen…

Fazit:

Gibt die Hoffnung nicht auf, auch wenn es aussichtslos erscheint.

Noch immer bin ich von Australiern überwältigt, in Sachen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft einfach unschlagbar.

Solltet Ihr vorhaben die Simpson Wüste zu durchqueren, bereitet Euch sehr gut vor, stattet Euch extrem gut aus. Das Auto muss in bester Kondition sein, fahrt in Kolonne und es sollte jemand dabei sein, der Wüstenerfahrung besitzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s